Herzschwäche

Herzschwäche erkennen: Symptome, Untersuchungen und Werte

Welche Beschwerden auf eine Herzschwäche hindeuten, was die NYHA-Klassen bedeuten und wie Herzecho, EKG und der Laborwert NT-proBNP die Diagnose sichern.

Eine Herzschwäche entwickelt sich oft schleichend. Viele Betroffene schieben die ersten Anzeichen auf das Alter, auf fehlende Kondition oder auf ein paar Kilo zu viel. Dabei lohnt es sich, aufmerksam zu sein: Je früher eine Herzinsuffizienz erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln. Diese Seite erklärt, welche Beschwerden typisch sind, wie die Diagnose gestellt wird und was die Werte im Arztbrief bedeuten.

Typische Symptome

Die Beschwerden entstehen vor allem dadurch, dass sich Blut vor dem geschwächten Herzen staut und der Körper Wasser einlagert. Hinzu kommt, dass die Muskeln weniger Sauerstoff bekommen.

  • Atemnot: Zunächst nur bei stärkerer Belastung, etwa beim Treppensteigen, später schon bei leichten Tätigkeiten oder in Ruhe.
  • Atemnot im Liegen: Viele Betroffene brauchen nachts mehrere Kissen oder wachen mit Luftnot auf, die sich im Sitzen bessert. Dieses Zeichen ist besonders typisch für eine Linksherzschwäche.
  • Nächtlicher Husten, manchmal mit schaumigem Auswurf.
  • Müdigkeit und Leistungsabfall: Alltägliche Wege fallen schwerer, Pausen werden häufiger.
  • Wassereinlagerungen (Ödeme): geschwollene Knöchel, Unterschenkel oder Füße, die am Abend stärker sind. Drückt man mit dem Finger hinein, bleibt eine Delle.
  • Rasche Gewichtszunahme innerhalb weniger Tage, die nicht vom Essen kommt, sondern von eingelagertem Wasser.
  • Häufiges nächtliches Wasserlassen, weil im Liegen eingelagerte Flüssigkeit zurück ins Blut gelangt.
  • Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit, wenn sich Blut vor dem rechten Herzen in Leber und Darm staut.
  • Herzklopfen oder unregelmäßiger Puls, Schwindel.

Keines dieser Zeichen beweist für sich allein eine Herzschwäche. Atemnot kann zum Beispiel auch von der Lunge kommen, geschwollene Beine von einer Venenschwäche. Gerade deshalb sollten neue oder zunehmende Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.

Die NYHA-Klassen: wie stark die Beschwerden sind

Die Einteilung der New York Heart Association beschreibt, ab welcher Belastung Beschwerden auftreten. Sie ist einfach und wird in fast jedem Arztbrief genannt.

NYHA-Klasse Beschreibung
I Herzerkrankung ohne Einschränkung. Normale Alltagsbelastung verursacht keine Atemnot oder Erschöpfung.
II Leichte Einschränkung. In Ruhe beschwerdefrei, stärkere Alltagsbelastung wie zügiges Treppensteigen verursacht Beschwerden.
III Deutliche Einschränkung. In Ruhe beschwerdefrei, aber schon geringe Belastung wie langsames Gehen in der Ebene verursacht Beschwerden.
IV Beschwerden bei jeder Tätigkeit und bereits in Ruhe.

Daneben gibt es eine Einteilung in Stadien A bis D, die eher den Krankheitsverlauf abbildet. Stadium A beschreibt Menschen mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck, aber ohne Herzschaden, Stadium D eine fortgeschrittene Herzschwäche, die spezielle Maßnahmen braucht.

Wie die Diagnose gestellt wird

Gespräch und körperliche Untersuchung

Am Anfang stehen Fragen zu Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und zur Familie. Bei der Untersuchung hören Ärztinnen und Ärzte Herz und Lunge ab, achten auf gestaute Halsvenen, Ödeme und den Puls. Diese Befunde geben erste Hinweise, reichen aber für die Diagnose nicht aus.

EKG

Das Elektrokardiogramm zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens auf. Es zeigt zum Beispiel Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern, Zeichen eines früheren Herzinfarkts oder einen verbreiterten Erregungsablauf, der für die Auswahl bestimmter Schrittmacher wichtig ist. Ein völlig unauffälliges EKG macht eine Herzschwäche eher unwahrscheinlich.

Laborwert NT-proBNP oder BNP

Natriuretische Peptide sind Botenstoffe, die das Herz vermehrt ausschüttet, wenn seine Wände stark gedehnt werden. Ein niedriger Wert spricht bei Menschen ohne akute Beschwerden deutlich gegen eine Herzschwäche. Die europäische Leitlinie nennt dafür als Grenze einen NT-proBNP-Wert unter 125 pg/ml. Ein erhöhter Wert ist dagegen kein Beweis, sondern ein Grund für weitere Untersuchungen.

Der Wert wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Er steigt mit dem Alter, bei eingeschränkter Nierenfunktion und bei Vorhofflimmern. Bei starkem Übergewicht kann er dagegen niedriger ausfallen, obwohl eine Herzschwäche besteht. Die Deutung gehört deshalb immer in ärztliche Hände.

Herzultraschall (Echokardiographie)

Die Echokardiographie ist die wichtigste Untersuchung. Sie zeigt, wie gut sich das Herz zusammenzieht, wie groß die Kammern sind, ob die Wände verdickt sind und wie die Herzklappen arbeiten. Gemessen wird außerdem die Ejektionsfraktion, also der Anteil des Blutes, den die linke Kammer bei jedem Schlag auswirft. Danach richtet sich die Einteilung in HFrEF, HFmrEF und HFpEF, die auf der Seite Herzinsuffizienz erklärt ist.

Ihren Befund verstehen

Lassen Sie sich die wichtigsten Werte aufschreiben: Ejektionsfraktion, NYHA-Klasse und gegebenenfalls den NT-proBNP-Wert. Notieren Sie sie in Ihrem Patiententagebuch. So können Sie Veränderungen über die Zeit besser nachvollziehen und gezielt nachfragen.

Weitere Untersuchungen

Je nach Situation kommen weitere Verfahren hinzu: ein Röntgenbild des Brustkorbs, um Wasser in der Lunge zu erkennen, Blutuntersuchungen zu Nierenwerten, Blutsalzen, Eisenspeichern, Schilddrüse und Blutzucker, ein Langzeit-EKG bei Verdacht auf Rhythmusstörungen sowie eine Herzkatheteruntersuchung, wenn verengte Herzkranzgefäße als Ursache in Frage kommen. Eine Magnetresonanztomographie des Herzens kann bei der Suche nach seltenen Ursachen helfen.

Was Sie selbst zur Diagnose beitragen können

Bereiten Sie den Termin vor. Hilfreich sind eine aktuelle Medikamentenliste, Notizen dazu, seit wann welche Beschwerden bestehen und bei welcher Belastung sie auftreten, sowie Gewichts- und Blutdruckwerte der letzten Wochen. Wenn Sie bereits einen Medikationsplan haben, nehmen Sie ihn mit. Fragen Sie nach, wenn Ihnen ein Begriff unklar ist: Sie haben ein Recht darauf, Ihre Befunde zu verstehen.

Nach der Diagnose geht es darum, die Ursache zu klären und die passende Behandlung zu beginnen. Wie Sie im Alltag Warnzeichen früh bemerken, lesen Sie unter Leben mit Herzschwäche.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Kann man eine Herzschwäche an einem Bluttest erkennen?
Ein Bluttest allein reicht nicht für die Diagnose. Der Wert NT-proBNP (oder BNP) hilft aber sehr: Ist er bei Menschen ohne akute Beschwerden niedrig, ist eine Herzschwäche unwahrscheinlich. Ist er erhöht, folgt in der Regel ein Herzultraschall, der die Diagnose bestätigt oder ausschließt.
Wie lange dauert ein Herzecho und tut es weh?
Ein Herzultraschall durch die Brustwand dauert meist etwa eine halbe Stunde und ist schmerzlos. Sie liegen auf der linken Seite, die Ärztin oder der Arzt führt einen Schallkopf mit Gel über den Brustkorb. Es gibt keine Strahlenbelastung.
Bedeutet eine höhere NYHA-Klasse, dass es immer schlechter wird?
Nein. Die NYHA-Klasse beschreibt die aktuellen Beschwerden und kann sich mit einer guten Behandlung auch wieder verbessern. Sie ist eine Momentaufnahme und keine feste Prognose.