HFrEF, HFmrEF, HFpEF: Was die Ejektionsfraktion aussagt
Die Prozentzahl im Echobefund erklärt: wie viel Blut das Herz pro Schlag auswirft, welche drei Formen der Herzschwäche man danach unterscheidet und was das für Sie bedeutet.
In Befunden und Arztbriefen tauchen bei Herzschwäche fast immer drei Buchstaben auf: EF. Dahinter steht eine Prozentzahl, die für die Diagnose und Behandlung eine große Rolle spielt. Oft folgen Abkürzungen wie HFrEF oder HFpEF, die auf Englisch zurückgehen. HF steht für Heart Failure, also Herzinsuffizienz, EF für Ejection Fraction, die Auswurffraktion. Diese Seite erklärt, was die Zahl bedeutet und warum sie für Sie wichtig ist. Den Überblick über die Erkrankung gibt die Seite Herzschwäche verstehen.
Was die Ejektionsfraktion misst
Die linke Herzkammer füllt sich in der Entspannungsphase mit Blut und wirft bei der Anspannung einen Teil davon in die Hauptschlagader aus. Die Ejektionsfraktion gibt an, welcher Anteil der Füllung pro Schlag ausgeworfen wird. Ein Beispiel: Fasst die Kammer am Ende der Füllung 120 Milliliter und wirft sie 72 Milliliter aus, beträgt die EF 60 Prozent.
Ein Teil des Blutes bleibt immer in der Kammer. Deshalb liegt die EF auch bei Gesunden deutlich unter 100 Prozent, meist bei etwa 50 Prozent oder mehr. Sinkt sie, pumpt das Herz weniger kräftig.
Wie die EF gemessen wird
Meist wird die EF mit dem Herzecho bestimmt, also mit Ultraschall. Die Untersuchung ist schmerzlos und ohne Strahlenbelastung. Wie sie abläuft, lesen Sie im Beitrag Herzecho (Echokardiographie). Auch eine Kernspintomographie des Herzens, eine Herzkatheteruntersuchung oder nuklearmedizinische Verfahren können die EF messen.
Jede Messung hat eine gewisse Ungenauigkeit. Je nach Gerät, Untersucher und Tagesform des Herzens können die Werte um einige Prozentpunkte schwanken. Ein einzelner Wert knapp an einer Grenze ist deshalb kein Grund zur Beunruhigung. Wichtiger ist der Verlauf über mehrere Untersuchungen.
Die drei Formen nach der Ejektionsfraktion
| Form | Ejektionsfraktion | Was passiert im Herzen |
|---|---|---|
| HFrEF (reduziert) | 40 % oder weniger | Der Herzmuskel pumpt deutlich zu schwach |
| HFmrEF (leicht reduziert) | 41 bis 49 % | Die Pumpkraft ist leicht vermindert |
| HFpEF (erhalten) | 50 % oder mehr | Die Pumpkraft ist normal, die Kammer ist aber steif und füllt sich schlecht |
Für die Diagnose einer HFmrEF oder HFpEF reicht die EF allein nicht aus. Zusätzlich müssen Beschwerden einer Herzschwäche und Hinweise auf eine gestörte Herzfunktion vorliegen, etwa erhöhte Werte des NT-proBNP oder typische Befunde im Herzecho. Was der Laborwert bedeutet, erklärt der Beitrag NT-proBNP.
Warum die Einteilung die Behandlung beeinflusst
Für die HFrEF gibt es die meisten Studien. Hier ist gut belegt, dass bestimmte Medikamentengruppen in Kombination Krankenhausaufenthalte verringern und das Leben verlängern. Dazu zählen Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems, Betablocker, Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten und SGLT2-Hemmer. Auch Geräte wie ein Defibrillator oder ein CRT-Schrittmacher kommen vor allem bei stark verminderter EF infrage. Einen Überblick über die Wirkstoffgruppen gibt der Beitrag Medikamente bei Herzinsuffizienz.
Bei der HFpEF und der HFmrEF war die Studienlage lange dünner. Inzwischen empfiehlt die Europäische Gesellschaft für Kardiologie auch hier SGLT2-Hemmer. Daneben stehen die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Übergewicht und Diabetes sowie Wassertabletten gegen Stauungszeichen im Vordergrund. Welche Behandlung für Sie passt, legt Ihr Behandlungsteam fest.
Herzinsuffizienz mit verbesserter EF
Steigt die EF unter Behandlung von zuvor 40 Prozent oder weniger auf über 40 Prozent, spricht man von einer Herzinsuffizienz mit verbesserter Ejektionsfraktion. Das ist ein gutes Zeichen, bedeutet aber in der Regel nicht, dass die Herzschwäche geheilt ist. Die Leitlinien raten, die wirksamen Medikamente auch dann weiterzunehmen, weil sich die Pumpfunktion nach dem Absetzen wieder verschlechtern kann. Setzen Sie deshalb nichts ohne Rücksprache ab.
Was Sie mit Ihrem Wert anfangen können
Fragen Sie im Arztgespräch nach Ihrer aktuellen EF und danach, wie sie sich im Vergleich zur letzten Messung entwickelt hat. Notieren Sie den Wert mit Datum, etwa im Patiententagebuch. Denken Sie daran, dass die EF nur ein Baustein ist. Wie Sie sich fühlen, wie belastbar Sie sind und ob Sie Wasser einlagern, ist für Ihren Alltag mindestens genauso wichtig. Mehr zur Einteilung nach Beschwerden lesen Sie im Beitrag NYHA-Klassen.
Fragen und Antworten
- Welche Ejektionsfraktion ist normal?
- Bei gesunden Erwachsenen liegt die Ejektionsfraktion der linken Herzkammer meist bei etwa 50 Prozent oder darüber. Ein Wert von 100 Prozent ist nicht möglich und nicht das Ziel, denn ein Teil des Blutes bleibt bei jedem Schlag in der Kammer. Kleine Unterschiede zwischen zwei Messungen sind normal.
- Kann sich eine niedrige Ejektionsfraktion wieder verbessern?
- Ja, das ist möglich, etwa wenn die Ursache behandelt wird und die Medikamente gut eingestellt sind. Hat sich die EF von 40 Prozent oder weniger auf über 40 Prozent verbessert, sprechen Fachleute von einer Herzinsuffizienz mit verbesserter Ejektionsfraktion. Die Behandlung wird dann in der Regel trotzdem fortgesetzt.
- Ist eine Herzschwäche mit normaler EF harmlos?
- Nein. Bei der HFpEF pumpt das Herz zwar mit normaler Kraft, es ist aber steif und füllt sich schlecht. Die Beschwerden wie Atemnot und Wassereinlagerungen können genauso ausgeprägt sein wie bei einer reduzierten Pumpfunktion. Auch die HFpEF braucht eine sorgfältige Behandlung.
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