Herzschwäche

Herzschwäche und Begleiterkrankungen: Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Diabetes, Schlafapnoe

Warum Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Diabetes, Nierenschwäche, Schlafapnoe und COPD bei Herzschwäche so oft zusammenkommen und wie sie sich gegenseitig beeinflussen.

Eine Herzschwäche kommt selten allein. Viele Betroffene sind älter und haben über die Jahre mehrere chronische Erkrankungen entwickelt. Diese Erkrankungen hängen oft eng zusammen: Ein hoher Blutdruck kann das Herz schwächen, ein schwaches Herz begünstigt Vorhofflimmern, und Vorhofflimmern verschlechtert wiederum die Pumpleistung. Wer diese Zusammenhänge kennt, versteht besser, warum die Behandlung so viele Bausteine hat und warum regelmäßige Kontrollen so wichtig sind.

Bluthochdruck

Langjähriger Bluthochdruck gehört zu den häufigsten Ursachen einer Herzinsuffizienz. Das Herz muss bei jedem Schlag gegen einen erhöhten Druck anpumpen. Es reagiert, indem der Muskel dicker wird. Ein verdickter Muskel ist aber steifer und füllt sich schlechter mit Blut. Daraus entsteht häufig eine Herzschwäche mit erhaltener Pumpleistung (HFpEF).

Wer bereits eine Herzschwäche hat, profitiert von einem gut eingestellten Blutdruck. Viele der Herzinsuffizienz-Medikamente senken ohnehin den Blutdruck. Regelmäßige Messungen zu Hause, festgehalten im Patiententagebuch, zeigen, ob die Behandlung wirkt. Messen Sie im Sitzen nach einigen Minuten Ruhe, möglichst immer zur gleichen Tageszeit und am selben Arm.

Koronare Herzkrankheit

Verengte Herzkranzgefäße versorgen den Herzmuskel schlechter mit Sauerstoff. Kommt es zum Herzinfarkt, stirbt ein Teil des Muskels ab und vernarbt. Die koronare Herzkrankheit ist deshalb eine der wichtigsten Ursachen der Herzschwäche mit reduzierter Pumpleistung. Behandelt wird sie mit Medikamenten, die die Gefäße schützen, etwa Cholesterinsenkern und Plättchenhemmern, und bei Bedarf mit Stents oder einer Bypass-Operation.

Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Die Vorhöfe schlagen dabei ungeordnet, der Puls wird unregelmäßig und oft zu schnell. Herzschwäche und Vorhofflimmern begünstigen sich gegenseitig: Ein geschwächtes, gedehntes Herz neigt zu Flimmern, und das unregelmäßige, schnelle Schlagen verringert die Pumpleistung weiter.

Bei Vorhofflimmern geht es um zwei Fragen. Erstens: Wie lässt sich der Herzschlag beruhigen oder der normale Rhythmus wiederherstellen, mit Medikamenten, einer Kardioversion oder einer Katheterablation? Zweitens: Ist ein Gerinnungshemmer nötig, um Schlaganfällen vorzubeugen? Beides entscheidet das Behandlungsteam anhand Ihres persönlichen Risikos.

Diabetes

Menschen mit Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, auch für eine Herzschwäche. Hohe Blutzuckerwerte schädigen über die Jahre Gefäße und Herzmuskel. Umgekehrt erschwert eine Herzschwäche die Diabetesbehandlung, weil manche Diabetesmittel bei Herzinsuffizienz nicht geeignet sind. Andere, insbesondere die SGLT2-Hemmer, schützen dagegen Herz und Nieren zusätzlich.

Wichtig für den Alltag: Diabetes kann Nerven schädigen, sodass Schmerzen etwa an den Füßen schlechter wahrgenommen werden. Tägliche Fußkontrollen beugen gefährlichen Wunden vor. Mehr dazu unter Chronische Wunden vermeiden.

Nierenschwäche

Herz und Nieren arbeiten eng zusammen. Pumpt das Herz zu wenig Blut, werden die Nieren schlechter durchblutet. Eine eingeschränkte Nierenfunktion wiederum erschwert die Ausscheidung von Salz und Wasser. Viele Herzmedikamente beeinflussen Nierenwerte und Blutsalze wie Kalium. Deshalb werden diese Werte regelmäßig kontrolliert, vor allem nach Dosisänderungen. Bei manchen Medikamenten muss die Dosis an die Nierenfunktion angepasst werden.

Schlafapnoe

Bei einer Schlafapnoe setzt die Atmung im Schlaf immer wieder aus. Bei Herzschwäche kommt sie häufig vor. Man unterscheidet die obstruktive Form, bei der die oberen Atemwege im Schlaf erschlaffen, und eine zentrale Form, bei der die Atemsteuerung gestört ist. Typische Hinweise sind lautes Schnarchen mit Atemaussetzern, unerholsamer Schlaf, morgendliche Kopfschmerzen und Tagesmüdigkeit. Die Abklärung erfolgt im Schlaflabor oder mit einem Messgerät für zu Hause. Welche Behandlung passt, hängt von der Form ab und wird bei Herzschwäche besonders sorgfältig abgewogen.

COPD und Atemwegserkrankungen

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) verursacht wie die Herzschwäche Atemnot. Das macht die Unterscheidung manchmal schwierig: Kommt die Luftnot vom Herzen, von der Lunge oder von beidem? Lungenfunktionstest, Herzultraschall und Laborwerte helfen bei der Klärung. Beide Erkrankungen profitieren vom Rauchstopp, von Impfungen und von angepasster Bewegung.

Eisenmangel und Blutarmut

Bei Herzschwäche fehlt dem Körper häufig Eisen, auch ohne dass schon eine Blutarmut besteht. Eisenmangel kann Müdigkeit und Leistungsschwäche verstärken. Die Leitlinien empfehlen deshalb, die Eisenwerte zu kontrollieren. Bei nachgewiesenem Mangel kann Eisen als Infusion gegeben werden.

Seelische Belastung

Depressionen und Angststörungen treten bei Menschen mit Herzschwäche häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Sie mindern die Lebensqualität und erschweren es, Medikamente regelmäßig zu nehmen und aktiv zu bleiben. Sie sind behandelbar. Sprechen Sie Ihre Praxis an, wenn Sie über längere Zeit niedergeschlagen oder antriebslos sind. Hinweise dazu finden Sie unter Leben mit Herzschwäche.

Viele Erkrankungen, viele Medikamente

Wer mehrere chronische Erkrankungen hat, nimmt oft fünf oder mehr Medikamente. Das erhöht das Risiko für Wechselwirkungen. Ein vollständiger, aktueller Medikationsplan ist dann besonders wichtig. Tipps dazu finden Sie unter Medikamente sicher einnehmen.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Kann Bluthochdruck eine Herzschwäche auslösen?
Ja. Ein über Jahre erhöhter Blutdruck zwingt das Herz, gegen einen höheren Widerstand zu pumpen. Der Herzmuskel verdickt sich und wird steifer. Langfristig kann daraus eine Herzschwäche entstehen, besonders die Form mit erhaltener Pumpleistung. Eine gute Blutdruckeinstellung ist deshalb eine der wichtigsten Vorbeugemaßnahmen.
Warum bekomme ich bei Vorhofflimmern einen Blutverdünner?
Bei Vorhofflimmern können sich im Herzen Blutgerinnsel bilden, die einen Schlaganfall auslösen. Ob ein Gerinnungshemmer nötig ist, wird anhand des persönlichen Risikos entschieden, in das unter anderem Alter, Bluthochdruck, Diabetes und eine Herzschwäche einfließen.
Hilft ein Diabetesmittel auch dem Herzen?
Einige ja. SGLT2-Hemmer wurden als Diabetesmittel entwickelt und sind heute auch Teil der Herzinsuffizienz-Behandlung, sogar bei Menschen ohne Diabetes. Welche Mittel zu Ihnen passen, entscheidet das Behandlungsteam.