Chronische Wunden vermeiden: offenes Bein, diabetischer Fuß, Dekubitus
Wie offene Beine, diabetische Fußwunden und Druckgeschwüre entstehen, wie man ihnen vorbeugt, welche Warnzeichen wichtig sind und warum frühe Behandlung so viel ausmacht.
Eine kleine Verletzung am Unterschenkel, eine Druckstelle am Fuß, eine gerötete Stelle am Gesäß: Bei gesunden Menschen heilt so etwas in wenigen Tagen. Bei schlechter Durchblutung, Diabetes, Venenschwäche oder langer Bettlägerigkeit kann daraus eine Wunde werden, die über Monate nicht zuheilt. Chronische Wunden schmerzen, schränken die Beweglichkeit ein und können sich gefährlich entzünden. Viele von ihnen lassen sich aber verhindern, wenn man die Risiken kennt und früh reagiert.
Warum Wunden chronisch werden
Damit eine Wunde heilt, braucht das Gewebe ausreichend Blut, Sauerstoff und Nährstoffe. Chronische Wunden entstehen fast immer, weil eine Grunderkrankung genau das stört: Bei einer Venenschwäche staut sich das Blut in den Beinen, bei einer arteriellen Verschlusskrankheit kommt zu wenig sauerstoffreiches Blut an, bei Diabetes sind Nerven und kleine Gefäße geschädigt, bei Bettlägerigkeit drückt das Körpergewicht dauerhaft die Haut ab. Deshalb heilt eine chronische Wunde nur, wenn neben der Wundversorgung auch die Ursache behandelt wird.
Menschen mit Herzschwäche haben oft mehrere dieser Risikofaktoren zugleich: Wassereinlagerungen spannen die Haut an den Beinen, Diabetes und Gefäßerkrankungen sind häufige Begleiter, und im fortgeschrittenen Stadium ist die Beweglichkeit eingeschränkt.
Offenes Bein (Ulcus cruris)
Ein offenes Bein ist eine schlecht heilende Wunde am Unterschenkel, häufig oberhalb des Knöchels. Die meisten Geschwüre gehen auf eine chronische Venenschwäche zurück. Hinweise sind schwere, geschwollene Beine, Krampfadern, bräunliche Hautverfärbungen und verhärtete Haut. Seltener steckt eine arterielle Durchblutungsstörung dahinter, die sich durch kalte, blasse Füße und Schmerzen beim Gehen bemerkbar machen kann. Oft liegen Mischformen vor.
Vorbeugen lässt sich durch:
- Bewegung, die die Wadenmuskelpumpe aktiviert, etwa Gehen und Fußgymnastik.
- Hochlagern der Beine in Ruhephasen.
- Kompressionsstrümpfe, wenn sie ärztlich verordnet sind. Bei Herzschwäche und Durchblutungsstörungen der Arterien muss die Kompression vorher ärztlich geprüft werden.
- Sorgfältige Hautpflege mit rückfettenden Produkten und Schutz vor Verletzungen.
- Rauchverzicht, weil Rauchen die Gefäße schädigt.
Diabetischer Fuß
Bei Diabetes können hohe Blutzuckerwerte über die Jahre Nerven und Blutgefäße schädigen. Das Schmerzempfinden an den Füßen lässt nach, sodass kleine Verletzungen, Druckstellen durch Schuhe oder eingewachsene Nägel unbemerkt bleiben. Gleichzeitig heilen sie wegen der schlechteren Durchblutung langsamer. So entsteht das diabetische Fußsyndrom, das im schlimmsten Fall zu Amputationen führen kann. Gute Vorbeugung senkt dieses Risiko deutlich.
Fußpflege bei Diabetes: das Wichtigste
- Füße täglich ansehen, auch die Fußsohlen und Zehenzwischenräume, notfalls mit Spiegel oder Hilfe von Angehörigen.
- Nicht barfuß laufen, Schuhe vor dem Anziehen innen abtasten.
- Gut passende, weite Schuhe tragen, bei Bedarf orthopädische Schuhe oder Einlagen nach Verordnung.
- Füße lauwarm waschen, gut abtrocknen, eincremen, aber nicht zwischen den Zehen.
- Keine Wärmflaschen oder Heizkissen an den Füßen, keine scharfen Werkzeuge für Hornhaut.
- Füße bei jedem Arztbesuch untersuchen lassen. Bei einem diabetischen Fußsyndrom kann eine podologische Behandlung verordnet werden.
Jede neue Wunde am Fuß eines Menschen mit Diabetes sollte zeitnah ärztlich angesehen werden, auch wenn sie nicht wehtut. Für schwierige Fälle gibt es spezialisierte Fußambulanzen.
Dekubitus (Druckgeschwür)
Ein Dekubitus entsteht, wenn Haut und Gewebe über längere Zeit gedrückt werden und dadurch nicht ausreichend durchblutet sind. Betroffen sind vor allem Stellen, an denen Knochen dicht unter der Haut liegen: Kreuzbein, Fersen, Hüften, Ellenbogen und Hinterkopf. Gefährdet sind Menschen, die viel liegen oder sitzen und sich nicht selbst umlagern können, besonders wenn zusätzlich Feuchtigkeit durch Inkontinenz, Mangelernährung oder Durchblutungsstörungen hinzukommen.
Vorbeugende Maßnahmen:
- Bewegung und Lagewechsel: Wer kann, bewegt sich so viel wie möglich. Bettlägerige Menschen werden regelmäßig umgelagert, in Abständen, die sich nach der Hautreaktion richten.
- Druckentlastung durch geeignete Matratzen, Kissen und Lagerungshilfsmittel. Spezielle Matratzen können als Hilfsmittel verordnet werden.
- Haut beobachten: Eine Rötung, die beim leichten Fingerdruck nicht weiß wird, ist ein frühes Warnzeichen.
- Haut trocken und gepflegt halten, besonders bei Inkontinenz. Mehr dazu unter Kontinenz.
- Ausreichend essen und trinken, mit genug Eiweiß. Bei Herzschwäche gilt die ärztlich vereinbarte Trinkmenge.
Pflegende Angehörige können sich von Pflegediensten, Pflegestützpunkten und Pflegekursen der Pflegekassen anleiten lassen.
Verbrennungen: Erste Hilfe bei kleinen Wunden
Kleine, oberflächliche Verbrennungen, etwa an der Herdplatte, kühlen Sie sofort für einige Minuten unter handwarmem, nicht eiskaltem fließendem Wasser. Hausmittel wie Mehl, Butter oder Zahnpasta gehören nicht auf eine Brandwunde. Decken Sie die Stelle danach steril ab. Blasen nicht öffnen. Großflächige Verbrennungen, Verbrennungen im Gesicht, an Händen, Füßen oder im Genitalbereich sowie Verbrennungen bei Kindern und älteren Menschen gehören in ärztliche Behandlung, bei großen Flächen über den Notruf 112. Menschen mit Diabetes und eingeschränktem Wärmeempfinden sollten Wärmflaschen, Heizdecken und sehr heißes Badewasser meiden.
Wenn eine Wunde nicht heilt
Eine chronische Wunde gehört in fachkundige Hände. Die Behandlung umfasst eine sorgfältige Reinigung, moderne Wundauflagen, die ein feuchtes Wundmilieu erhalten, und vor allem die Behandlung der Ursache, etwa Kompression bei Venenschwäche, die Verbesserung der Durchblutung oder eine Druckentlastung. Spezialisierte Wundzentren, Wundexpertinnen und Wundexperten sowie ambulante Pflegedienste arbeiten dabei eng mit der Hausarztpraxis zusammen. Fragen Sie nach, wenn eine Wunde trotz Behandlung über Wochen nicht kleiner wird.
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Fragen und Antworten
- Ab wann gilt eine Wunde als chronisch?
- Eine feste Grenze gibt es nicht. Meist spricht man von einer chronischen Wunde, wenn sie trotz Behandlung nach mehreren Wochen, je nach Definition nach vier bis zwölf Wochen, nicht abgeheilt ist. Bei Risikopatienten wie Menschen mit Diabetes sollte eine Wunde aber deutlich früher ärztlich angesehen werden.
- Dürfen Menschen mit Herzschwäche Kompressionsstrümpfe tragen?
- Das muss ärztlich entschieden werden. Kompression drückt Flüssigkeit aus den Beinen zurück in den Kreislauf. Bei einer schweren oder schlecht eingestellten Herzschwäche kann das das Herz überlasten. Bei stabiler Herzschwäche ist Kompression nach ärztlicher Prüfung oft möglich.
- Hilft Luft an der Wunde beim Heilen?
- Nein, das ist ein verbreiteter Irrtum. Chronische Wunden heilen in einem feuchten, sauberen Wundmilieu besser. Moderne Wundauflagen halten die Wunde feucht und schützen sie. Welche Auflage passt, entscheiden Ärztin, Arzt oder Wundexpertinnen und Wundexperten.
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