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Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Ursachen, Formen und Verlauf

Was bei einer Herzinsuffizienz im Körper passiert, welche Ursachen dahinterstecken und warum eine frühe, konsequente Behandlung den Verlauf deutlich verbessern kann.

Das Wort Herzinsuffizienz klingt bedrohlich, und für viele Betroffene ist die Diagnose zunächst ein Schock. Wichtig ist: Herzschwäche ist keine plötzliche Katastrophe, sondern eine Erkrankung, die sich gut beschreiben, messen und behandeln lässt. Wer versteht, was im eigenen Körper passiert, kann Warnzeichen früher erkennen und gemeinsam mit dem Behandlungsteam viel dafür tun, dass das Herz möglichst lange stabil bleibt.

Diese Seite gibt einen Überblick. Ausführlich geht es in den Unterseiten um Symptome und Diagnose, die Behandlung, das Leben im Alltag und häufige Begleiterkrankungen.

Was bei einer Herzschwäche im Körper passiert

Das Herz arbeitet wie eine Pumpe mit zwei Hälften. Die rechte Herzhälfte nimmt das sauerstoffarme Blut aus dem Körper auf und pumpt es durch die Lunge. Die linke Herzhälfte pumpt das sauerstoffreiche Blut von dort in den ganzen Körper. Bei einer Herzinsuffizienz gelingt eine dieser Aufgaben oder beide nicht mehr ausreichend: Entweder zieht sich der Herzmuskel zu schwach zusammen, oder er ist so steif geworden, dass sich die Herzkammern nicht mehr richtig mit Blut füllen.

Der Körper versucht, das auszugleichen. Er schüttet Stresshormone aus, das Herz schlägt schneller, die Nieren halten Salz und Wasser zurück, um das Blutvolumen zu erhöhen. Kurzfristig hilft das, auf Dauer belasten diese Mechanismen das Herz aber zusätzlich. Genau hier setzen viele moderne Medikamente an: Sie bremsen diese Gegenregulation und entlasten so den Herzmuskel.

Typische Folgen sind Atemnot, weil sich Blut in der Lunge staut, Wassereinlagerungen in Beinen und Bauch sowie eine nachlassende Belastbarkeit. Welche Beschwerden im Vordergrund stehen, hängt davon ab, welche Herzhälfte vor allem betroffen ist.

Häufige Ursachen

Eine Herzschwäche ist fast immer die Folge einer anderen Erkrankung. Die wichtigsten Ursachen sind:

  • Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt: Verengte Herzkranzgefäße versorgen den Herzmuskel schlechter. Nach einem Infarkt kann ein Teil des Muskels vernarben und fällt für die Pumparbeit aus.
  • Langjähriger Bluthochdruck: Das Herz muss dauerhaft gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten. Der Muskel verdickt sich und wird steifer. Mehr dazu unter Begleiterkrankungen.
  • Herzklappenerkrankungen: Verengte oder undichte Klappen zwingen das Herz zu Mehrarbeit.
  • Herzrhythmusstörungen: Ein dauerhaft zu schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, etwa bei Vorhofflimmern, kann die Pumpleistung schwächen.
  • Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathien): Sie können erblich sein oder etwa nach einer Herzmuskelentzündung entstehen.
  • Giftige Einflüsse: Langjähriger hoher Alkoholkonsum und einige Krebsmedikamente können den Herzmuskel schädigen.

Oft kommen mehrere Ursachen zusammen. Für die Behandlung ist es wichtig, sie möglichst genau zu kennen, weil manche gezielt behandelt werden können, zum Beispiel eine Herzklappe oder ein verengtes Gefäß.

Formen der Herzinsuffizienz

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden die Herzschwäche nach mehreren Merkmalen. Das hilft, die passende Behandlung zu wählen.

Nach der betroffenen Herzhälfte: Bei der Linksherzinsuffizienz staut sich Blut vor allem in die Lunge zurück, typisch ist Atemnot. Bei der Rechtsherzinsuffizienz staut es sich in den Körperkreislauf, typisch sind geschwollene Beine, Gewichtszunahme und Völlegefühl. Sind beide Hälften betroffen, spricht man von einer globalen Herzinsuffizienz.

Nach der Pumpleistung: Gemessen wird die Ejektionsfraktion, also der Anteil des Blutes, den die linke Herzkammer pro Schlag auswirft. Daraus ergeben sich drei Gruppen, die im Arztbrief meist als Abkürzung auftauchen:

Abkürzung Bedeutung Ejektionsfraktion (nach ESC-Leitlinie)
HFrEF Herzschwäche mit reduzierter Pumpleistung 40 Prozent oder weniger
HFmrEF Herzschwäche mit leicht reduzierter Pumpleistung 41 bis 49 Prozent
HFpEF Herzschwäche mit erhaltener Pumpleistung, aber steifem Herzmuskel 50 Prozent oder mehr

Nach dem zeitlichen Verlauf: Eine akute Herzinsuffizienz entsteht innerhalb von Stunden oder Tagen und ist ein Notfall. Die chronische Herzinsuffizienz entwickelt sich langsam. Verschlechtert sich eine chronische Herzschwäche plötzlich, sprechen Fachleute von einer Dekompensation. Sie ist der häufigste Grund für Krankenhausaufenthalte bei Herzschwäche und kündigt sich oft durch eine rasche Gewichtszunahme an.

Wie die Erkrankung verläuft

Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Manche Menschen leben viele Jahre mit nur geringen Einschränkungen, bei anderen schreitet die Erkrankung schneller voran. Zur Einordnung nutzen Ärztinnen und Ärzte die NYHA-Klassen, die beschreiben, ab welcher Belastung Beschwerden auftreten. Sie reichen von Klasse I (keine Beschwerden im Alltag) bis Klasse IV (Beschwerden schon in Ruhe). Eine Übersicht finden Sie auf der Seite Symptome und Diagnose.

Die NYHA-Klasse kann sich durch eine gute Behandlung auch wieder verbessern. Vier Dinge beeinflussen den Verlauf besonders:

  1. Die Behandlung der Ursache, etwa eines Bluthochdrucks, einer Klappenerkrankung oder einer Rhythmusstörung.
  2. Die konsequente Einnahme der verordneten Medikamente. Viele davon wirken nicht spürbar sofort, schützen das Herz aber langfristig. Mehr dazu unter Medikamente sicher einnehmen.
  3. Das Selbstmanagement im Alltag: tägliches Wiegen, Warnzeichen kennen, in Bewegung bleiben, nicht rauchen, wenig Alkohol.
  4. Regelmäßige Kontrollen, damit Medikamente angepasst und Verschlechterungen früh erkannt werden.

Gut zu wissen

Viele Betroffene glauben, sie müssten sich schonen. Das Gegenteil ist meist richtig: Regelmäßige, ärztlich abgestimmte Bewegung verbessert bei stabiler Herzschwäche die Belastbarkeit und die Lebensqualität. Wie viel für Sie passend ist, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Warum Selbstmanagement so viel ausmacht

Eine Herzschwäche wird nicht nur in der Praxis behandelt, sondern zum großen Teil zu Hause. Wer täglich sein Gewicht notiert, merkt früh, wenn sich Wasser einlagert, oft Tage bevor die Atemnot zunimmt. Wer seine Medikamente kennt, erkennt Nebenwirkungen und kann gezielt nachfragen. Und wer weiß, welche Beschwerden ein Warnsignal sind, holt sich rechtzeitig Hilfe.

Ein einfaches Hilfsmittel ist ein Patiententagebuch mit Gewicht, Blutdruck, Puls und Beschwerden. Auf dieser Seite finden Sie eine Vorlage zum Ausdrucken. Bringen Sie die Einträge zu jedem Termin mit: Sie sind für Ihr Behandlungsteam oft aufschlussreicher als eine einzelne Messung in der Praxis.

Herzschwäche selten allein

Viele Menschen mit Herzinsuffizienz haben weitere chronische Erkrankungen, etwa Diabetes, eine eingeschränkte Nierenfunktion, Vorhofflimmern oder eine Schlafapnoe. Diese Erkrankungen beeinflussen sich gegenseitig, und auch die Medikamente müssen aufeinander abgestimmt sein. Dazu kommen im Alter häufig Probleme wie Blasenschwäche, etwa durch entwässernde Tabletten, oder schlecht heilende Wunden an den Beinen. Deshalb behandelt dieser Ratgeber neben dem Herzen auch Ernährung, Kontinenz und die Vorbeugung chronischer Wunden.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ist Herzschwäche dasselbe wie ein Herzinfarkt?
Nein. Beim Herzinfarkt verschließt sich plötzlich ein Herzkranzgefäß und ein Teil des Herzmuskels wird nicht mehr durchblutet. Eine Herzschwäche ist eine Funktionsstörung des Herzens, die sich meist über längere Zeit entwickelt. Ein Herzinfarkt kann allerdings eine der Ursachen einer späteren Herzschwäche sein.
Ist eine Herzinsuffizienz heilbar?
Das hängt von der Ursache ab. Wird zum Beispiel eine undichte Herzklappe behoben oder eine Herzmuskelentzündung heilt aus, kann sich die Pumpleistung deutlich erholen. Bei den meisten Betroffenen ist die Herzschwäche aber eine chronische Erkrankung, die sich mit Behandlung gut stabilisieren lässt.
Wer behandelt eine Herzschwäche?
Meist arbeiten Hausarztpraxis und Kardiologie zusammen. Die Hausarztpraxis koordiniert die Behandlung und sieht Sie regelmäßig, die Kardiologie übernimmt Spezialuntersuchungen wie den Herzultraschall und plant Geräte oder Eingriffe. Viele Krankenkassen bieten dafür strukturierte Behandlungsprogramme an.