Wassereinlagerungen bei Herzschwäche: Ursachen und was hilft
Woran Sie Ödeme erkennen, warum ein schwaches Herz Wasser im Körper zurückhält, welche anderen Ursachen infrage kommen und was Sie gemeinsam mit Ihrer Praxis tun können.
Dicke Knöchel am Abend, Sockenabdrücke, die lange sichtbar bleiben, Schuhe, die plötzlich drücken: Wassereinlagerungen gehören zu den häufigsten Zeichen einer Herzschwäche. Fachleute sprechen von Ödemen. Sie sind unangenehm, aber auch ein wertvolles Warnsignal, weil sie zeigen, dass das Herz gerade mehr leisten muss, als es schafft. Diese Seite erklärt, wie Ödeme entstehen, welche anderen Ursachen infrage kommen und was Sie gemeinsam mit Ihrer Praxis tun können. Viele weitere Alltagstipps finden Sie unter Leben mit Herzschwäche.
Wie Wassereinlagerungen entstehen
Zwei Vorgänge greifen bei einer Herzschwäche ineinander. Erstens staut sich Blut vor dem geschwächten Herzen zurück. Der Druck in den Venen und feinen Gefäßen steigt, und Flüssigkeit tritt in das umliegende Gewebe über. Zweitens reagiert der Körper auf die verminderte Pumpleistung mit Hormonen, die die Niere Salz und Wasser zurückhalten lassen. Was eigentlich den Kreislauf stützen soll, verstärkt die Überwässerung.
Wo sich die Flüssigkeit sammelt, hängt davon ab, welche Herzhälfte betroffen ist und wie man sich bewegt. Bei einer Schwäche der rechten Herzhälfte sammelt sie sich vor allem in den Beinen, im Bauch und in der Leber, bei einer Schwäche der linken Herzhälfte in der Lunge. Mehr dazu im Beitrag Links- und Rechtsherzinsuffizienz.
Woran Sie Ödeme erkennen
- Schwellungen an Knöcheln, Fußrücken und Unterschenkeln, oft beidseitig und abends stärker
- Eine Delle, die nach Druck mit dem Finger einige Sekunden bestehen bleibt
- Enge Schuhe, Ringe oder ein enger werdender Hosenbund
- Bei Bettlägerigen Schwellungen am Rücken, am Gesäß oder an den Oberschenkeln
- Ein dicker werdender Bauch, Völlegefühl und Appetitlosigkeit
- Gewichtszunahme innerhalb weniger Tage, oft bevor die Schwellung sichtbar wird
- Häufiges nächtliches Wasserlassen, weil Flüssigkeit aus den Beinen im Liegen zurückströmt
Andere Ursachen bedenken
Nicht jede Schwellung kommt vom Herzen. Auch eine Venenschwäche, Nieren- oder Lebererkrankungen, ein Eiweißmangel, Störungen des Lymphabflusses und eine Schilddrüsenunterfunktion können Ödeme verursachen. Manche Medikamente lösen ebenfalls Schwellungen aus, zum Beispiel bestimmte Blutdrucksenker aus der Gruppe der Kalziumantagonisten, Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac und Kortison. Eine plötzliche, einseitige, schmerzhafte Schwellung kann auf eine Beinvenenthrombose hinweisen und muss sofort abgeklärt werden.
Was hilft
Die Behandlung des Herzens
Die wirksamste Maßnahme ist eine gut eingestellte Behandlung der Herzschwäche. Wassertabletten schwemmen eingelagertes Wasser rasch aus. Andere Medikamente entlasten das Herz langfristig und verringern so die Neigung zu Ödemen. Wie Wassertabletten wirken und wie Sie sie am besten einnehmen, lesen Sie im Beitrag Wassertabletten (Diuretika).
Täglich wiegen
Bevor Schwellungen sichtbar werden, zeigt die Waage oft schon einen Anstieg. Wiegen Sie sich deshalb jeden Morgen unter gleichen Bedingungen und notieren Sie den Wert. Wie das richtig geht, erklärt der Beitrag Täglich wiegen bei Herzschwäche.
Salz in Maßen
Salz bindet Wasser. Sehr salzreiche Mahlzeiten wie Fertiggerichte, Wurst, Käse und salzige Snacks können Wassereinlagerungen verstärken. Eine extreme Salzbeschränkung ist dagegen nicht nötig. Praktische Tipps gibt der Beitrag Salzarm essen bei Herzschwäche.
Beine hochlegen und bewegen
Wer viel sitzt, kann die Beine zwischendurch hochlegen. Bewegung aktiviert die Wadenmuskelpumpe, die das Blut aus den Beinen zurück zum Herzen drückt. Fußkreisen und Wippen auf den Zehenspitzen lassen sich auch im Sitzen machen. Achten Sie aber auf Ihre Atmung: Wer im Liegen schlechter Luft bekommt, sollte nicht flach mit hochgelegten Beinen liegen.
Hautpflege
Gespannte, geschwollene Haut ist empfindlich und verletzlich. Pflegen Sie sie mit einer milden, rückfettenden Creme, tragen Sie bequeme Schuhe und vermeiden Sie Verletzungen. Mehr zur Vorbeugung von Wunden auf der Seite Wunden vermeiden.
Wann Sie sich melden sollten
Informieren Sie Ihre Praxis, wenn das Gewicht über die vereinbarten Grenzen steigt, die Schwellungen deutlich zunehmen oder neue Atemnot hinzukommt. Meist lässt sich mit einer rechtzeitigen Anpassung der Medikamente ein Krankenhausaufenthalt vermeiden. Bei starker Atemnot in Ruhe ist es ein Notfall für den Notruf 112.
Fragen und Antworten
- Woran erkenne ich, ob die Schwellung vom Herzen kommt?
- Sicher erkennen lässt sich das nur durch eine ärztliche Untersuchung. Für das Herz sprechen beidseitige Schwellungen, die im Laufe des Tages zunehmen, zusammen mit Atemnot, schneller Ermüdung und Gewichtszunahme. Einseitige, schmerzhafte Schwellungen haben oft eine andere Ursache, zum Beispiel eine Thrombose.
- Hilft es, weniger zu trinken?
- Nicht automatisch. Bei stabiler Herzschwäche bringt eine strenge Begrenzung der Trinkmenge meist keinen Vorteil. Bei fortgeschrittener Erkrankung kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine persönliche Menge festlegen. Verändern Sie die Trinkmenge oder die Wassertabletten nicht ohne Rücksprache.
- Darf ich Kompressionsstrümpfe tragen?
- Das hängt vom Zustand Ihres Herzens ab. Bei einer schweren oder nicht ausreichend behandelten Herzschwäche kann Kompression das Herz zusätzlich belasten, weil mehr Flüssigkeit in den Kreislauf zurückströmt. Kompressionsstrümpfe sollten deshalb nur nach ärztlicher Prüfung und Verordnung getragen werden.
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