Leben im Alltag

Trinkmenge bei Herzinsuffizienz: Wie viel ist sinnvoll?

Warum es keine Pauschalmenge für alle gibt, wann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine persönliche Grenze festlegt und wie Sie mit Durst, Hitze und versteckter Flüssigkeit umgehen.

“Wie viel darf ich trinken?” gehört zu den häufigsten Fragen von Menschen mit Herzschwäche. Früher lautete die Antwort oft pauschal: möglichst wenig. Heute sehen die Leitlinien das differenzierter. Diese Seite erklärt, warum es keine Einheitszahl gibt, wann eine Begrenzung sinnvoll ist und wie Sie eine vereinbarte Menge im Alltag gut einhalten. Sie nennt bewusst keine Literzahl, weil die richtige Menge von Ihrer persönlichen Situation abhängt. Weitere Alltagstipps finden Sie unter Leben mit Herzschwäche.

Was die Leitlinie sagt

Die Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz unterscheidet nach dem Zustand der Erkrankung:

  • Stabile Herzschwäche: Eine strenge Begrenzung der Trinkmenge hat sich in Studien nicht als vorteilhaft erwiesen. Sie kann sogar belasten, etwa durch quälenden Durst. Sehr große Trinkmengen sollten Sie trotzdem meiden.
  • Fortgeschrittene Herzschwäche oder starke Wassereinlagerungen: Hier kann eine persönliche Höchstmenge sinnvoll sein, die die Ärztin oder der Arzt festlegt.
  • Niedriger Natriumwert im Blut: Auch dann wird die Trinkmenge oft begrenzt, weil zu viel Wasser das Blutsalz weiter verdünnt.

Die richtige Menge hängt also von Ihrem Krankheitsstadium, Ihren Medikamenten, Ihrer Nierenfunktion und Ihren Blutwerten ab. Lassen Sie sich die für Sie passende Menge konkret nennen und fragen Sie nach, ob sie sich im Sommer oder bei Krankheit ändert.

Warum zu viel und zu wenig schaden können

Ein geschwächtes Herz kann große Flüssigkeitsmengen schlechter bewältigen. Wer sehr viel trinkt, riskiert Wassereinlagerungen und Atemnot, vor allem bei fortgeschrittener Erkrankung. Mehr dazu im Beitrag Wassereinlagerungen bei Herzschwäche.

Zu wenig Flüssigkeit ist aber ebenfalls problematisch, besonders zusammen mit Wassertabletten. Dann drohen Schwindel, Stürze, Verstopfung, Verwirrtheit und eine Verschlechterung der Nierenfunktion. Ältere Menschen spüren Durst oft weniger stark und trinken deshalb manchmal unbemerkt zu wenig.

Was alles zur Trinkmenge zählt

Wenn eine Höchstmenge vereinbart ist, zählen dazu alle Getränke: Wasser, Kaffee, Tee, Milch, Saft und Limonade. Auch Suppen und Brühen gehören dazu. Viele Fachleute raten, zusätzlich wasserreiche Lebensmittel wie Joghurt, Pudding, Götterspeise, Eis und sehr wasserreiches Obst im Blick zu behalten. Fragen Sie Ihre Praxis, wie genau Sie diese mitrechnen sollen.

So halten Sie eine vereinbarte Menge ein

  1. Tagesmenge abmessen: Füllen Sie morgens eine Karaffe oder Flaschen mit der vereinbarten Menge ab. Was Sie anderweitig trinken, gießen Sie von dort ab.
  2. Über den Tag verteilen: Trinken Sie nicht den Großteil am Vormittag, sondern planen Sie auch für den Abend etwas ein.
  3. Kleine Gläser und Tassen: Sie wirken voller und helfen, die Menge besser einzuschätzen.
  4. Notieren: Schreiben Sie die Trinkmenge in den ersten Wochen auf, zum Beispiel im Patiententagebuch.
  5. Salz maßvoll: Salziges Essen macht Durst. Wer salzbewusst isst, kommt leichter mit der Menge aus. Tipps dazu bietet die Seite Ernährung bei Herzerkrankungen.

Durst lindern

  • Eiswürfel lutschen, etwa aus gefrorenem Wasser mit etwas Zitrone
  • zuckerfreie Bonbons oder Kaugummi
  • Mund ausspülen, ohne zu schlucken
  • Lippen mit einer Pflegecreme feucht halten
  • kühle statt warme Getränke

Ein ständig trockener Mund kann auch durch Medikamente oder Mundatmung entstehen. Sprechen Sie das in der Praxis an.

Besondere Situationen

Bei Hitze, Fieber, Erbrechen oder Durchfall verliert der Körper zusätzlich Wasser und Salze. In diesen Situationen sollten Sie weder einfach mehr trinken noch die Wassertabletten weglassen, sondern Rücksprache halten. Am besten vereinbaren Sie vorab mit Ihrer Praxis, was in solchen Fällen gilt. Wie Wassertabletten wirken, erklärt der Beitrag Wassertabletten (Diuretika).

Der wichtigste Begleiter bleibt die Waage. Steigt Ihr Gewicht trotz eingehaltener Trinkmenge über die vereinbarten Grenzen, melden Sie sich. Wie Sie richtig wiegen, steht im Beitrag Täglich wiegen bei Herzschwäche.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Zählen Kaffee und Tee zur Trinkmenge?
Ja. Zur Trinkmenge zählen alle Getränke, also auch Kaffee, Tee, Milch, Saft und Suppe. Wenn eine Höchstmenge vereinbart ist, sollten Sie außerdem wasserreiche Lebensmittel wie Joghurt, Pudding, Wassermelone oder Eis im Blick behalten.
Ich habe ständig Durst. Was hilft?
Kleine Schlucke über den Tag verteilt, Lutschen von Eiswürfeln oder zuckerfreien Bonbons, Ausspülen des Mundes und kühle Getränke können helfen. Sehr salziges Essen verstärkt den Durst. Ständiger starker Durst kann auch eine Nebenwirkung von Medikamenten oder ein Zeichen für zu hohen Blutzucker sein und sollte angesprochen werden.
Muss ich im Sommer mehr trinken?
Bei Hitze verliert der Körper mehr Wasser über die Haut. Ob Sie dann mehr trinken oder die Wassertabletten anpassen sollen, besprechen Sie am besten vor dem Sommer mit Ihrer Praxis. Ändern Sie nichts eigenmächtig und achten Sie besonders auf Ihr tägliches Gewicht.