Salzarm essen bei Herzschwäche: Praktische Tipps für den Alltag
Wo im Alltag das meiste Salz steckt, wie Sie Nährwertangaben richtig lesen, wie Essen auch mit weniger Salz schmeckt und worauf Sie bei Salzersatz achten sollten.
“Weniger Salz” gehört zu den bekanntesten Ernährungstipps bei Herzschwäche. Doch was heißt das im Alltag? Die meisten Menschen salzen beim Kochen gar nicht besonders viel. Der größte Teil des Salzes kommt über fertige Lebensmittel auf den Teller, oft unbemerkt. Diese Seite zeigt, wo sich Salz versteckt, wie Sie es reduzieren, ohne auf Geschmack zu verzichten, und warum eine extreme Beschränkung nicht das Ziel ist. Grundsätzliches zur Ernährung finden Sie auf der Seite Ernährung bei Herzerkrankungen.
Warum Salz bei Herzschwäche eine Rolle spielt
Kochsalz besteht aus Natrium und Chlorid. Natrium bindet Wasser im Körper. Wer viel Salz isst, hält mehr Flüssigkeit zurück. Bei einem gesunden Herzen gleicht die Niere das aus. Bei einer Herzschwäche, bei der der Körper ohnehin zu Wassereinlagerungen neigt, kann eine sehr salzreiche Mahlzeit das Gewicht in die Höhe treiben und Schwellungen verstärken. Mehr dazu im Beitrag Wassereinlagerungen bei Herzschwäche.
Gleichzeitig sehen die Leitlinien heute keine Grundlage für eine sehr strenge Salzbeschränkung. Sie kann den Appetit verderben und bei gleichzeitiger Einnahme von Wassertabletten zu niedrigen Natriumwerten beitragen. Ziel ist also ein maßvoller Umgang. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Erwachsene einen Orientierungswert von höchstens etwa 6 Gramm Speisesalz am Tag, das entspricht ungefähr einem gestrichenen Teelöffel.
Wo sich Salz versteckt
| Lebensmittelgruppe | Beispiele | Tipp |
|---|---|---|
| Brot und Backwaren | Brot, Brötchen, Laugengebäck | Wegen der großen Menge eine der wichtigsten Salzquellen, Laugengebäck sparsam |
| Wurst und Fleischwaren | Schinken, Salami, Würstchen | Durch frisches Fleisch oder Aufstriche ersetzen |
| Käse | Hartkäse, Feta, Schmelzkäse | Frischkäse, Mozzarella oder Quark enthalten meist weniger |
| Fertiggerichte | Tiefkühlpizza, Dosensuppen, Instantgerichte | Etikett lesen, selten verwenden |
| Würzmittel | Brühwürfel, Sojasoße, Würzsoßen, Ketchup | Sparsam dosieren oder salzarme Varianten wählen |
| Snacks | Chips, Salzstangen, gesalzene Nüsse | Ungesalzene Nüsse wählen |
| Konserven und Eingelegtes | Oliven, saure Gurken, Sauerkraut, Fisch in Lake | Abspülen hilft etwas |
Auch Mineralwasser enthält unterschiedlich viel Natrium. Wer eine natriumarme Sorte wählt, spart eine kleine Menge zusätzlich.
Etiketten richtig lesen
Auf verpackten Lebensmitteln steht in der Nährwerttabelle der Salzgehalt pro 100 Gramm. Als grobe Orientierung gilt: Ein Wert über etwa 1,5 Gramm Salz pro 100 Gramm ist viel, unter etwa 0,3 Gramm wenig. Achten Sie auch auf die tatsächlich verzehrte Menge. Eine Fertigpizza kann schnell einen großen Teil des Tagesorientierungswerts liefern. Wenn nur Natrium angegeben ist, multiplizieren Sie mit etwa 2,5, um auf Salz zu kommen.
So schmeckt es auch mit weniger Salz
- Langsam reduzieren: Die Geschmacksknospen gewöhnen sich innerhalb einiger Wochen an weniger Salz. Was anfangs fad schmeckt, wird bald normal.
- Kräuter und Gewürze: Petersilie, Schnittlauch, Basilikum, Thymian, Rosmarin, Knoblauch, Zwiebeln, Pfeffer, Paprika, Curry, Muskat und Ingwer bringen Geschmack.
- Säure: Ein Spritzer Zitrone oder etwas Essig hebt den Geschmack und ersetzt einen Teil des Salzes.
- Zubereitung: Braten, Grillen und Rösten erzeugen Röstaromen. Gemüse im Ofen schmeckt intensiver als gekocht.
- Am Ende salzen: Wer erst am Tisch salzt, nimmt den Geschmack stärker wahr und braucht weniger.
- Salzstreuer vom Tisch: Probieren Sie zuerst, bevor Sie nachsalzen.
- Selbst kochen: Selbst gekochte Suppen und Soßen ohne Brühwürfel enthalten meist viel weniger Salz als Fertigprodukte.
Vorsicht bei Salzersatz
Viele Salzersatzprodukte enthalten Kaliumchlorid. Bei Herzschwäche kann das riskant sein, weil Medikamente wie ACE-Hemmer, Sartane, ARNI und Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten sowie eine eingeschränkte Nierenfunktion den Kaliumspiegel erhöhen. Ein zu hoher Kaliumwert kann gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Verwenden Sie Salzersatz deshalb nur nach Rücksprache mit Ihrer Praxis.
Essen außer Haus
Im Restaurant, in der Kantine und an Feiertagen ist Essen oft deutlich salziger als zu Hause. Bitten Sie um wenig Salz oder Soße extra, wählen Sie Gerichte mit Gemüse und meiden Sie Suppen und stark gewürzte Speisen. Wiegen Sie sich am nächsten Morgen wie gewohnt. Ein kurzfristiger Anstieg nach einer salzigen Mahlzeit ist häufig, sollte aber nicht über Ihre vereinbarten Grenzen hinausgehen.
Salz, Blutdruck und Alltag
Weniger Salz hilft oft auch, den Blutdruck zu senken, mehr dazu im Beitrag Bluthochdruck als Ursache für Herzschwäche. Weitere Tipps zum Alltag mit Herzschwäche finden Sie unter Leben mit Herzschwäche. Wenn Sie unsicher sind, wie Sie Ihre Ernährung umstellen sollen, kann eine Ernährungsberatung helfen. Fragen Sie in Ihrer Praxis, ob eine Verordnung oder ein Kursangebot Ihrer Krankenkasse infrage kommt.
Fragen und Antworten
- Darf ich Salzersatz verwenden?
- Viele Salzersatzmittel enthalten statt Natrium vor allem Kalium. Bei Herzschwäche kann das problematisch sein, weil manche Herzmedikamente und eine eingeschränkte Nierenfunktion den Kaliumspiegel erhöhen. Fragen Sie vor der Verwendung von Salzersatz in Ihrer Praxis nach.
- Wie rechne ich Natrium in Salz um?
- Auf Lebensmitteln wird in der EU der Salzgehalt angegeben. Steht irgendwo nur Natrium, multiplizieren Sie den Wert mit etwa 2,5, um auf Kochsalz zu kommen. Ein Gramm Natrium entspricht also rund 2,5 Gramm Salz.
- Muss ich komplett auf Salz verzichten?
- Nein. Eine sehr strenge Salzbeschränkung bringt nach den Leitlinien keinen gesicherten Vorteil und kann den Appetit verderben, was besonders bei älteren Menschen ungünstig ist. Ziel ist ein bewusster, maßvoller Umgang. Ihre Praxis sagt Ihnen, ob in Ihrem Fall etwas anderes gilt.
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